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Den ÖV stärken, wo er bereits stark ist Autor: Nicole Schwarz
Bearbeitet: 18.01.2010 durch HN
Wann kommt sie, die S-Bahn für‘s Leimental? Ein Datum für den Baubeginn konnten die Besucherinnen und Besucher der Podiumsveranstaltung, zu der die SP-Sektionen des Leimentals am 5. November 2009 in Binningen eingeladen hatten, nicht mit heimnehmen. Stattdessen – was nicht weniger ist – sehr viele Informationen zum Stand der Dinge der ÖV-Entwicklung im mobilitätsfreundlichen Leimental. Mit Lotti Stokar (Präsidentin Verkehrskommission Leimental und Gemeindepräsidentin Oberwil), Marc Joset (Landrat), Andreas Büttiker (Geschäftsführer BLT) und Kathrin Schweizer (Geschäftsführerin Pro Velo BL, Landrätin) präsentierte das Podium fundierte Kennerinnen und Kenner der Materie, die die Fragen des Publikums gezielt beantworten konnten.

Auf die Titelfrage des Podiums (Eine S-Bahn für’s Leimental?) antwortete Marc Joset mit Verweis auf einen kürzlichen Landratsbeschluss (15.10.09) zur Weiterentwicklung der S-Bahn: Der Takt der Linie Liestal-Laufen soll verdichtet und die Anbindung von Birseck und Elsass in die Planung aufgenommen werden. Letztere Neuerung könnte dazu beitragen, realistische Alternativen für die Südumfahrungsstrasse zu entwickeln.

Andreas Büttiker erinnerte daran, dass die Idee einer Bahnverbindung von Stadt und Land, Schweiz und Frankreich nicht neu sei. Vor dem 1. Weltkrieg soll es Pläne für eine Schienenverbindung zwischen Basel und Bonfol via Leymen/Ferrette gegeben haben. Bis heute gehe die „Bahn“ aber nur bis Rodersdorf. Immerhin sei es dieser Schienenanbindung zu verdanken, dass Tausende von Menschen auf ihrem Arbeitsweg vom Leimental Richtung Basel das Tram nutzten – im Gegensatz etwa zur Biel-Benkener Seite des Leimentals, die deutlich weniger mit dem ÖV unterwegs ist. Mit dem Doppelspurausbau auf der Strecke Ettingen-Flüh und mit dem Margarethenstich können in absehbarer Zeit weitere Taktverdichtungen und Fahrzeitverkürzungen erreicht werden. Neben der Tramlinie hätten aber insbesondere die Busse auf den Tangentialverbindungen für Verbesserungen des öffentlichen Verkehrs im Leimental gesorgt. Aus ökonomischen und ökologischen Überlegungen sei es jedoch vernünftig, den ÖV nur dort massvoll auszubauen, wo er bereits stark ist. Deshalb, so Andreas Büttiker, solle der Margarethenstich vorerst den Pendlerspitzenverkehr abdecken.

Für einen ÖV-Ausbau mit Augenmass plädierte auch Lotti Stokar. Es sei nötig, Aufwand (Ressourcen) und Ertrag (Fahrzeitverkürzung, Verfügbarkeit) in Relation zu setzen. Der Ortsbus zwischen Bottmingen und Oberwil sei auch deshalb erfolgreich, weil er nicht alle Wünsche erfülle, zum Beispiel nicht bis spät in die Nacht und an Wochenenden verkehre, sondern hauptsächlich dem Berufsverkehr diene und Gebiete erschliesse, die stark besiedelt sind.

Wünsche äusserte auch das Publikum: Eine ÖV-An- und Abfahrtstafel im Bahnhof SBB, eine Fussgängerverbindung von der Margarethenbrücke zu den Bahnperrons, einen Ortsbus in Binningen, insbesondere für die ältere Bevölkerung, eine Absicherung für die Verkehrsanbindung des hinteren Leimentals.

Und ein grosser Wunsch kam anschliessend vom Podium: Kathrin Schweizer plädierte für eine möglichst kreuzungsfreie Parallelführung von ÖV und Velowegen.

Bei so vielen Ideen und bereits laufenden Projekten, woran liege es, dass der ÖV-Ausbau nur zögerlich vorankomme, fragte die Moderatorin Esther Maag? Als Hauptgrund für die manchmal zähe Entwicklung des ÖV nannte Andreas Büttiker die politische Zersplitterung der Landgemeinden. Mit weniger Entscheidungsinstanzen könnte mehr erreicht werden – die Verfügbarkeit finanzieller Mittel vorausgesetzt. Es sei ein Glücksfall, dass die BLT so organisiert sei, dass sie finanzielle Mittel vorschiessen könne, um ihre Pläne unternehmerisch voranzutreiben. Lotti Stokar ergänzte, dass auch die Kommunikation wichtig sei. Sie präsidiert die Verkehrskommission Leimental und hat erlebt, wie wichtig es ist, dass in den Landgemeinden Siedlungspolitik und Verkehrspolitik in Zusammenhang gebracht und gemeinsam diskutiert werden. Das Schlusswort war für die Gastgeber reserviert; Charles Simon (Gemeindepräsident, SP Binningen), der in diversen trinationalen Organisationen Einsitz hat, unterstrich die Wichtigkeit, das nahe Elsass mit in die ÖV-Planung einzubeziehen. Die aktuell aktiv mit den französischen Nachbarn geführte Diskussion um die Verlängerung von Tramlinien über die Landesgrenze hinaus, stimme ihn optimistisch.

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